Tagesschau zähmt Ahmadinedschad

Ahmadinedschad habe in seiner Rede vor der UN-Vollversammlung auf Provokationen gegen Israel verzichtet. Nun ja, das ist etwas eigenwillig interpretiert. Ich muss es zum Glück nicht alles zusammmenschreiben, weil das schon jemand gemacht hat:

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Von israelischen Kollaborateuren

Carmen Matussek

Eine Folge von Richard Schneiders Videoblog „Zwischen Mittelmeer und Jordan“ trägt den Titel „Von der Gefahr des Mitläufertums“. Herr Schneider ist zu Besuch bei Nir Baram, dem Autor des Buches „Gute Leute“, in dem es um Kollaborateure der Nazis und des Sowjetregimes geht.

Bei der Vorstellung seines Buches konstatiert der Autor: „Bei jedem Genozid ist es doch das gleiche: Eine kleine Gruppe Menschen taucht ihre Hände in Blut. Aber die große Mehrheit lebt ihr Leben, kollaboriert, kümmert sich nicht. Es sind diese Leute, die den Genozid erst ermöglichen. Ich will sie verstehen.“

Als ob das die perfekte Überleitung zur israelischen Gesellschaft wäre, fragt Herr Schneider: „Lass uns mal das Buch für einen Moment zur Seite legen und den Zweiten Weltkrieg. Wie sieht es mit Mitläufern in Israel aus?“ Nir Baram möchte darauf nicht so ganz eingehen, obwohl Schneider beteuert, nicht die politischen Systeme vergleichen zu wollen. Stattdessen spricht Baram über die soziale Situation in Israel. Schneider fragt also konkreter nach: „Lass mich mal provokant fragen: Wir machen hier das Interview am 31. August. Wir wissen nicht, was die nächsten Tage bringen werden, bis dieses Blog erscheint. Wir haben seit Wochen eine intensivste Debatte über den möglichen Krieg mit dem Iran. Ich sehe einfach nicht 300.000 oder eine halbe Million Menschen auf den Straßen dagegen demonstrieren. Ist das also stilles Mitläufertum?“ Die Vernichtungsambitionen des Iran gegenüber Israel scheinen dem Israelkorrespondenten der ARD komplett entgangen zu sein. Man muss wahrlich kein Kriegstreiber noch ein Mitläufer eines solchen sein, um sich nicht mit Pfeifen und Trompeten gegen einen Präventivschlag Israels zu stellen, der hoffentlich irgendwie vermeidbar sein wird.

Baram redet indes beharrlich weiter über sein Buch und beginnt, die Quellen seines Romans aus dem Bücherregal zu holen. Schneider geht darauf nicht ein, sondern fragt noch einmal: „Lass mich abschließend fragen: Falls Israel den Iran angreift, falls wir hier in den nächsten Wochen Krieg haben werden – wie jeder hier im Augenblick fürchtet und es gibt ja die Möglichkeit, dass dies geschehen könnte –, was dann? Der Krieg wäre vorbei. Es wird für Israel absolut katastrophal sein, katastrophal auch für die Wirtschaft, katastrophal für den Iran – würdest du dann sagen, die israelische Gesellschaft ist mitgelaufen, oder würdest du sagen, es gab keine Wahl?“ Nach nochmaligem, direktem Nachhaken, ob die Nazikollaborateure im Roman nicht doch die Probleme Israels widerspiegeln würden, wird Baram deutlicher: „Nein, nein, ich möchte nicht, dass aus unserem Gespräch die Schlussfolgerung gezogen wird, dass ich mich oder andere Leute mit den Nazis vergleiche. Das würde dieses Gespräch auf den Kopf stellen, würde daraus eine primitive, undifferenzierte Diskussion machen. Den Zweiten Weltkrieg zu vergleichen – ich vergleiche nicht. Wir in Israel sind nicht in der Situation wie Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Es gibt keine Konzentrationslager hier.“

Am Ende wird der Bogen aber doch noch geschlagen. Nir Baram sagt: „Wir leben in einer extrem rassistischen Gesellschaft. Und das, weil wir nicht die wichtige Lektion des Zweiten Weltkrieges gelernt haben.“ „Also wenn ich Netanyahu sehe, wie er den Holocaust missbraucht, dann entwickle ich tiefe Abneigung gegen das, was Netanyahu macht. Er will nämlich nichts tun, nichts ändern. Er hat nämlich keine Vision für die Zukunft Israels.“

Die Vergleiche und Unterstellungen in diesem Beitrag sind jenseits von Gut und Böse, genauso wie Schneiders suggestive Gesprächsführung. Ein junger, gesellschaftskritischer israelischer Autor, der sich des schwierigen Themas der Kollaboration des „kleinen Mannes“ im Nationalsozialismus angenommen hat, und der Umgang der israelischen Bevölkerung mit einem drohenden Erstschlag gegen die iranischen Atomanlagen – beides interessante Themen. Aber die israelischen Nicht-Demonstranten als Kollaborateure hinzustellen und das sogar mit dem Zweiten Weltkrieg in Verbindung bringen zu wollen – das geht eindeutig zu weit und verkennt die Zwangslage, der Israels Regierung gegenübersteht.

„Richtigstellung zum Iran“ …

… könnte man das nennen. Plötzlich und unvermittelt, dazu unverhofft hemmungslos redet Richard C. Schneider einmal Klartext im Tagesschau-Videoblog, völlig genervt von der grassschen Wahrnehmungsstörung hinsichtlich des Iran. Fällt völlig aus dem gewohnten Rahmen. Leider schon mit der Ankündigung  „und jetzt geht’s wieder normal weiter“. Schade. Sowas geht wohl auf Dauer nicht. Aber ich wollt trotzdem gesagt haben, dass ich positiv überrascht war.

Hoffnungsträger der Umbrüche in der arabischen Welt

Mit der Selbstverbrennung des Tunesiers Muhammad Bouazizi hat im Dezember 2010 die Protestwelle begonnen, die als „Arabischer Frühling“ bzw. „Arabellion“ bezeichnet wurde. Mit Blick auf Syrien sprechen mittlerweile selbst verbissene Optimisten von einem arabischen Winter; was die Umbrüche für Israel bedeuten, wurde und wird aber von vielen verkannt.

In seiner „Jahresbilanz Nahost“ vom 31.12.2011 gab sich Sebastian Engelbrecht auf tagesschau.de den Träumereien von „demokratischen Umwälzungen“ hin, „die der Westen so lange ersehnt“ habe. In einem Tonfall, der herablassender kaum hätte sein können, belehrte er die israelische Regierung, deren Mangel an Euphorie er nicht nachvollziehen konnte. Dabei bewege sich doch sogar die Hamas auf Israel zu und zivilisiere sich. „Der israelische Regierungschef betreibt eine Politik der konsequenten Selbstisolation, der Abgrenzung gegen alles, was nicht der amerikanische Kongress ist. Der Ministerpräsident wirkt wie ein Zinnsoldat, wie eine steife Figur, fest geschraubt auf den Boden der eigenen Ideologie. Sicher ist eins: Wer sich so halsstarrig der Dynamik seiner Umwelt entgegenstellt, wird fallen.“ Als sich abzeichnete, dass aus den Wahlen in Tunesien und Ägypten die Muslimbruderschaft als deutlicher Sieger hervorgehen würde, machten die Medien die Entdeckung der „moderaten Islamisten“. Eben noch seitenfüllend im deutschen Verfassungsschutzbericht als Bedrohung für die innere Sicherheit Deutschlands geführt, werden die Muslimbrüder nun Israel als Partner für den Frieden präsentiert.

In der Hamas war der Jubel nach dem Sturz Mubaraks groß: Es bedeutete eine Lockerung der ägyptischen Blockade des Gazastreifens und somit Erleichterungen beim Waffenschmuggel. Der Iran demonstrierte seine neuen Befugnisse, indem er mit der Erlaubnis der ägyptischen Militärregierung zwei Kriegsschiffe durch den Suezkanal schickte. Verschiedene Exilislamisten kehrten aus der Verbannung in ihre Heimatländer zurück. Raschid al-Ghanouschi, ein Bewunderer des iranischen Staatsmodells und Befürworter von Selbstmordattentaten gegen israelische Zivilisten, kam aus London nach Tunesien zurück und führte die En-Nahda-Partei an, die bei den Wahlen 41% erreichte. Einer der einflussreichsten islamistischen Prediger überhaupt, Yusuf al-Qaradawi, kam aus seinem Exil in Qatar nach Ägypten zurück und hielt vor einer Million Zuhörer eine flammende Rede auf dem Tahrir-Platz. In ihm weckte der Arabische Frühling die Hoffnung auf die „Vollendung von Hitlers Werk“, das eine „göttliche Bestrafung für die Juden“ gewesen sei. Sebastian Engelbrecht von der Tagesschau versteht die Aufregung in Israel nicht: „Netanjahu ist nicht im Stande, außenpolitisch zu gestalten, Brücken zu bauen, die Hand zu reichen, Bewegungen in Gang zu setzen. Er lässt stattdessen an der Grenze zu Ägypten Hochsicherheits-Grenzanlagen bauen.“

Was meinen die Muslimbrüder, wenn sie von Demokratie sprechen? Eine Umfrage des US Pew Research Centers ergab, dass 71 % der Ägypter Demokratie wollen, während sich 62 % für ein Leben streng nach dem Koran aussprechen. Man ist also vielfach der Meinung, dass sich diese beiden Möglichkeiten nicht gegenseitig ausschließen. Das Demokratieverständnis der Muslimbruderschaft geht aus dem Entwurf eines Parteiprogramms hervor, das bereits seit 2007 bekannt ist. In dem 180seitigen Entwurf wird die Einführung eines Obersten geistlichen Rates gefordert, der alle Entscheidungen des gewählten Parlamentes auf ihre Schariakonformität überprüfen müsste. Frauen und Christen wären als Präsidentschaftskandidaten ausgeschlossen. Auch Touristen sollten sich in Ägypten in der Öffentlichkeit an islamisches Gesetz halten müssen, was für die ägyptische Tourismusbranche fatal wäre. Die Muslimbruderschaft gilt im Westen vor allem deswegen als moderat, weil ihre politischen Leiter realistisch genug sind, um zu wissen, dass sich solche Neuerungen nicht von heute auf morgen durchsetzen lassen. Im Interview mit der Wienerzeitung antwortete Mahmud Ghozlan, Sprecher der ägyptischen Muslimbruderschaft, auf die Frage „Bedeutet das [schrittweise Umsetzung], dass am Ende des Weges die Sharia komplett implementiert werden soll?“ mit „Ja, das ist korrekt.“ Wienerzeitung: „Wenn es aber wirklich hart auf hart gehen sollte, und sich das Volk in welcher Sache auch immer anders entscheidet als von Gott vorgegeben?“ Mahmud Ghozlan: „Das ist ein Szenario der Unmöglichkeit. Das wird nicht passieren.“ Bei dem System, das dort etabliert werden soll, handelt es sich nicht um islamisch gefärbte Demokratie, sondern um demokratisch gefärbten Islamismus, der sich zwar wählen, aber wohl nie wieder abwählen lassen würde. Sebastian Engelbrecht: „Wichtig ist jetzt, diesen Prozess der Emanzipation der Völker mit Respekt und Solidarität zu unterstützen, auch wenn in den Parlamenten nicht die Wunschkoalitionen entstehen, die der Westen zu unterstützen bereit wäre.“ Abd al-Munaim Abu al-Futuh, ebenfalls ein prominenter Vertreter der Muslimbruderschaft, hat von seinem Vater einen Hang zur Trennung von Religion und Politik geerbt. Er hat viele Vorstellungen seiner Partei in Frage gestellt. Als er angab, für die Präsidentschaft kandidieren zu wollen, wurde er im Juni 2011 aus der Bruderschaft ausgeschlossen. Ihren damaligen Versicherungen, überhaupt nicht kandidieren zu wollen, hat die ägyptische Muslimbruderschaft mittlerweile zurückgenommen.

Nun bilden die Islamisten zwar mit Abstand die stärkste, aber längst nicht die einzige Kraft in der politischen Landschaft der arabischen Welt. Ernstzunehmende liberale Parteien und Gruppen haben sich etabliert und stehen erklärtermaßen gegen ein islamistisches Staatsmodell. Aber auch sie eignen sich nicht als Ansprechpartner für Israel.

Amr Moussa, ein erfahrener ägyptischer Diplomat, der parteiunabhängig als Präsidentschaftskandidat gehandelt wird, verteidigt sowohl das iranische Recht auf Atomwaffen als auch den Herrschaftsanspruch der Hamas in Gaza.

Aiman Nur, Vorsitzender der Ghad Partei , bezeichnete Israel als den Feind, der hinter allen Übeln, Verschwörungen und Bedrohungen stehe, denen sich Ägypten ausgesetzt sehe. Gegenüber der westlichen Presse hat er diese Aussage relativiert: Das habe sich nur auf den Gaza-Krieg bezogen, er sei sicher kein Antisemit, und er habe Gewaltaufrufen gegen Israel immer widersprochen. Letzteres stieß wiederum im ägyptischen Medienecho auf Irritationen, woraufhin Amr Moussa die Äußerung dementierte.

Tariq al-Bischri, der Vorsitzende des Komitees zur Überarbeitung der ägyptischen Verfassung, sieht im Iran ein Vorbild im Kampf gegen Israel, und er meint, dass säkulares, nicht schariakonformes Recht die Hauptbedrohung für das ägyptische Erbe sei.

Ahmad ´Izz al-Arab, der stellvertretende Vorsitzende der ägyptischen Wafd-Partei, sagte im Sommer 2011 in Budapest auf einer Konferenz für Demokratie und Menschenrechte im Interview mit der Washington Times, dass der 11. September von CIA und Mossad verübt worden sei, dass der Holocaust eine Lüge und das Tagebuch der Anne Frank eine Fälschung seien.

Eine der zentralen Forderungen des ägyptischen Oppositionsbündnisses Kifaya war schon bei dessen Gründung 2005 die Aufkündigung des Friedensvertrages mit Israel. Auch die Jugendbewegung des 6. April steht wie andere Vertreter der sogenannten „Facebookgeneration“ im Hinblick auf Israel unreflektiert auf Seiten der Hamas und fordert unter anderem die Einstellung der ägyptischen Erdgaslieferungen an Israel. Eine der Mitbegründerinnen der Bewegung, Asmaa Mahfus, bekam zusammen mit vier anderen Aktivisten des Arabischen Frühlings 2011 von der EU den Sacharowpreis für geistige Freiheit verliehen. Neben Muhammad Bouazizi, der mit seiner Selbstverbrennung zahlreiche Nachahmer fand, zählt auch der syrische Karikaturist Ali Ferzat zu den Preisträgern. Er kritisiert mit seinen Karikaturen das Assad-Regime und propagiert gleichzeitig den Glauben an eine jüdische Weltverschwörung.

Araber, die sich wie Amr Bargisi von der Egyptian Union of Liberal Youth für eine Normalisierung der Beziehungen zu Israel und gegen Antisemitismus aussprechen, sind eine Seltenheit. Farid al-Ghadri, der Vorsitzende der im Exil beheimateten Reformpartei Syriens, hat sogar schon vor der Knesset gesprochen. Ihm wurde daraufhin von al-Assad persönlich die syrische Staatsbürgerschaft entzogen, seine Partei wurde von den syrischen Oppositionsbündnissen ausgeschlossen: Er sei ein Verräter und Kollaborateur der Zionisten.

Grundlegende Veränderungen in der politischen Landschaft des Nahen und Mittleren Ostens werden nicht zuletzt dadurch gehemmt, dass die Protestbewegungen in den beiden großen Hegemonialmächten Saudi-Arabien und Iran im Keim erstickt wurden. Diese führen weiterhin ihren terroristischen Stellvertreterkrieg an den Grenzen Israels. Es ist mehr als offensichtlich, vor welche Herausforderungen Israel durch die arabischen Umbrüche gestellt wird und warum es die naiven Hoffnungen seiner europäischen Verbündeten nicht teilen kann. Dennoch wird Israel als Aggressor und Spielverderber hingestellt. Laut Sebastian Engelbrecht wäre ein Krieg mit dem Iran das einzige, was Israel derzeit „wieder internationale Sympathien einbringen könnte (…). Die israelische Regierung könnte auch im kommenden Jahr dazu beitragen, diesen Krieg überflüssig zu machen. Sie könnte von einer Politik der Schockstarre zu einer Politik des Dialogs und der ernst gemeinten Verhandlungen mit den Palästinensern übergehen. Es ist allerdings zu befürchten, dass Netanjahu zu einem solchen Kurswechsel der Wille und die Courage fehlen.“ – Es bleibt zu hoffen, dass Israel sich auch weiterhin nicht zu dem geforderten Kurswechsel Richtung Selbstzerstörung hinreißen lässt.

Fakten = Provokante Ansichten zur Siedlungsfrage?

Richard C. Schneider befragt in seinem Videoblog bei tagesschau.de vom 05.03.12 den Juristen Eljakim HaEtzni zu dem, „was wir international besetzes Gebiet nennen“. „Nun, ich möchte Ihnen Eljakim HaEtzni […] zumuten“, unter der Überschrift „Provokante Ansichten zur Siedlungsfrage“. Der „Hardliner“ HaEtzni mag provokante Ansichten vertreten (Henryk Broder bezeichnete ihn einst als Knalltüte), aber in diesem Videoblog-Beitrag scheint er damit hinterm Berg zu halten. Die „provokanten Ansichten“ sind allgemein bekannte, „harte“ Fakten. HaEtzni stellt die Frage, von welchem rechtmäßigen Souverän Israel 1967 das sogenannte Westjordanland besetzt haben soll: Stehe dieses Land Jordanien zu, das es bis dahin unrechtmäßig besetzt hatte und längst keine Ansprüche mehr darauf anmeldet? Oder der britischen Mandatsmacht, die ebenso keine Rolle mehr spielt wie die Osmanen, die das Land zuvor 400 Jahre besetzt hielten? Oder den Mamluken, die es nicht mehr gibt?

Die jüdischen Siedlungen im sogenannten Westjordanland werden gemeinhin als „das größte Friedenshindernis“ im Nahostkonflikt angesehen und gern als „völkerrechtswidrig“ bezeichnet.

Die Westbank ist israelisches Hoheitsgebiet, das 1967 im Zuge eines Verteidigungskrieges eingenommen wurde. Vorher war es nicht etwa von „den Palästinensern“ besetzt, die es damals als Volksgruppe noch gar nicht gab, sondern von Jordanien. Das Land wurde nach der Eroberung nicht von Israel annektiert, weil man die Option des Tauschhandels „Land für Frieden“ offenhalten wollte. Israel nennt die Gebiete nicht „besetzt“, sondern „umstritten“.

Ist eine „jüdische Präsenz“ in diesen Gebieten denn per se friedensstörend? Wenn Avigdor Lieberman auch nur die Frage zu stellen wagt, ob auch die arabischen Siedlungen in Israel aufgelöst werden sollten, wird er als Rassist beschimpft. In der öffentlichen Meinung sind arabische Viertel in Israel mittlerweile genauso selbstverständlich wie die angebliche Notwendigkeit einer „judenfreien“ Westbank, so wie der Gazastreifen seit 2005 eine „judenfreie Zone“ ist.

Flächenmäßig machen die Siedlungen etwa zwei Prozent der Westbank aus. Dass sowohl die Siedlungen als auch deren Zufahrtsstraßen weiträumige Schutzzonen benötigen, ist nicht Israels Schuld. Arabische Wohnblöcke in Israel würden vom israelischen Staat genauso geschützt werden, wenn sie permanenter Terrorgefahr ausgesetzt wären. Und immer wieder müssen auch Araber vor militanten Siedlern geschützt werden. Der Konflikt hat auch auf israelischer Seite Radikalos hervorgebracht, die einem antiarabischen Rassismus frönen. Im Vergleich zu den arabischen Terrorgruppen, die von islamischen Staaten finanziert werden, ist deren Gefahrenpotential jedoch verschwindend gering, und der israelische Staat hat mehrfach bewiesen, dass er mit seinen „Knalltüten“ fertig werden kann.

Zur Frage des Völkerrechts: Angeführt werden die UN-Resolution 242 und die Vierte Genfer Konvention. Wer sich diese Texte durchliest, wird feststellen, dass die Resolution die Siedlungen mit keinem Wort erwähnt und dass die Vierte Genfer Konvention (Artikel 49 gegen den Bevölkerungstransfer durch eine Staatsmacht in besetzte Gebiete) auf Israel nicht anwendbar ist.

Um sich diese Fakten „zuzumuten“, muss man nicht einen Anführer der Siedlerbewegung konsultieren, sondern man kann auf die offiziellen Erklärungen des stellvertretenden Außenministers Israels, Danny Ayalon, zurückgreifen oder die historischen Fakten in Geschichtsbüchern nachlesen.

Tagesschau und der Iran

Im November 2011 brachte tagesschau.de ein gar nicht mal schlechtes Interview mit Dr. Henning Riecke zum IAEA-Bericht und den iranischen Bombenbaubestrebungen. Darin die Aussage: „Äußerungen wie das oft beschworene ‚Israel muss von der Landkarte getilgt werden‘ kann man so interpretieren, dass der Iran Israel mit Atomwaffen treffen will. Dieses Gefühl der Bedrohung, das in Israel herrscht, muss man unbedingt ernst nehmen.“ Tagesschau.de meinte, das in einem extra Kasten erklären und korrigieren zu müssen, und erzählte die alte Mär vom Übersetzungsfehler. Dieser Irrglaube hält sich penetrant in den Köpfen der Menschen, weil es bequem ist, zu glauben, dass es nie Vernichtungsdrohungen gegeben habe, und weil „seriöse“ Medien diesen Quatsch Jahre später immer noch verbreiten. Nur hat die iranische Führung ihre Drohungen nach dem vermeintlichen Übersetzungsdesaster aus dem Jahr 2005 ununterbrochen wiederholt und in englischsprachigen Verlautbarungen selbst die Übersetzung „Israel should be wiped out of the face of the world“ autorisiert. Mehr dazu bei Joshua Teitelbaum: Die iranische Führung in ihren eigenen Worten über die Vernichtung Israels: Ein Plädoyer gegen apologetische Kampagnen zur Entschuldung des Aufrufs zum Völkermord.

Ein weiteres, anschauliches Beispiel für die Unterschlagung von Informationen, die nicht ins Bild passen: Der Bericht über die US-Drohne, die der Iran im Dezember 2011 in seinen Besitz gebracht hat. Im iranischen Fernsehen wurde die Drohne gezeigt, umgeben von Bannern mit vielsagenden Aufschriften, von denen tagesschau.de aber nur die harmloseste für die Leser übersetzt hat: „Amerika kann [uns] gar nichts/einen Dreck“. Das ist das Banner links unten. Rechts steht: Ma Amrika ra zirpa migodharim: „Wir besiegen Amerika (wörtlicher: wir kriegen Amerika unter unsere Füße)“. Auf dem Plakat, das über der Drohne hängt und das tagesschau.de groß im Titelbild bringt, steht das Übliche: „Tod Amerika, Tod Israel, Tod England“. Das kann man nicht anders übersetzen und auch nur schwer interpretieren. Warum ist es so unverständlich, dass solche Todeswünsche auf offiziellen Plakaten Besorgnis von Seiten Israels und Spionageflugzeuge aus den USA hervorrufen?

Freiheitskämpfer im Balata-Camp

Mitte Mai 2010, parallel zu den Feierlichkeiten zur Staatsgründung Israels, besuchte Richard C. Schneider das Balata Flüchlingscamp. Er zeigte die Bilder einiger „Märtyrer“ und erklärte den Zuschauern: „Das sind sogenannte Shahid, Märtyrer. Das sind junge Leute, die während der Intifadas im Kampf gegen Israel gefallen sind. Teilweise Leute, die zu den al-Aqsa-Märtyrer Brigaden gehörten, teilweise zum Islamischen Djhad oder zur Hamas. Und hier wird dieser getöteten jungen Palästinenser mit solchen Bildern gedacht.“ Googelt man die abgebildeten, angeblichen Intifada-Kämpfer auf Arabisch, stellt sich heraus, dass diejenigen, über die sich etwas herausfinden lässt,  am 30.9.2005 gestorben sind. Die zweite Intifada gilt seit Februar 2005 als abgeschlossen. Am 12.09.2005 hatten die letzten israelischen Soldaten Gaza verlassen. Welchen Grund sollen diese Männer gehabt haben, gerade in dieser Zeit im Westjordanland eine abgeschlossene Intifada fortzuführen? Herr Schneider stellt diese Fragen nicht. Der, auf dessen Plakat auch Arafat abgebildet ist, heißt Jamal Ibrahim al-Jarami, war 20 Jahre alt und starb in Nablus (oder kam daher?), als Todesursache bzw. Art der Verletzungen steht da „ganzer Körper“. Der andere heißt ‚Ala` Yusuf al-Tirawi, ebenfalls 30.9.2005, Nablus, „Brust und Bauch“… (die Infos sind von www.aqsaa.com, einer arabischen Seite).

Die Architektur in dem „Camp“ (natürlich Massivbauten und keine Zelte) wird als besonders unzumutbar dargestellt, enge Gassen, ganz kleine Fenster, und das bei der Hitze! Außerdem gäbe es für 25.000 Leute in dem Camp nur einen Wasserhahn (für den sich aber zur Zeit des Drehs niemand zu interessieren scheint). Wer schon einmal in einer beliebigen arabischen Stadt war, weiß: In sozial vergleichbaren Vierteln überall in der arabischen Welt sieht es genauso aus. Und selbst betuchte Familien bauen klassisch nach außen hoch und dabei oft sogar gänzlich ohne Fenster, eben einbruchsicher. Die Frau sonnt sich im Innenhof, denn draußen darf sie das ja nicht. Im Balata „Camp“ wird das trotz aller tatsächlicher Armut nicht anders sein. Und dass sie dort die europäischen DIN-Normen für Verkabelungen und Hygienestandarts nicht erfüllen, ist auch nicht den armen Unterdrückten vorbehalten. Wo außer in den jeweiligen Regierungsvierteln ist das denn anders?

Ich habe das Video bei der Suche nicht mehr gefunden. Auch da, wo die Videoblogs „Zwischen Mittelmeer und Jordan“ gesammelt sind, findet man es nicht. Oder war das außerhalb des Blogs? Wenn es jemand findet, kann er mir Bescheid sagen, damit ich es verlinken kann.

Apropos: Das Land zwischen Mittelmeer und Jordan: Wenn man wollte, könnte man es auch „Israel“ nennen.