Tagesschau zähmt Ahmadinedschad

Ahmadinedschad habe in seiner Rede vor der UN-Vollversammlung auf Provokationen gegen Israel verzichtet. Nun ja, das ist etwas eigenwillig interpretiert. Ich muss es zum Glück nicht alles zusammmenschreiben, weil das schon jemand gemacht hat:

http://aro1.com/neuste-tagesschau-luege/

Interview Protokolle der Weisen von Zion

40 Minuten Interview über meine Magisterarbeit:

Der Glaube an eine „jüdische Weltverschwörung“. Die Rezeption der „Protokolle der Weisen von Zion“ in der arabischen Welt

http://www.freie-radios.net/50823

Von israelischen Kollaborateuren

Carmen Matussek

Eine Folge von Richard Schneiders Videoblog „Zwischen Mittelmeer und Jordan“ trägt den Titel „Von der Gefahr des Mitläufertums“. Herr Schneider ist zu Besuch bei Nir Baram, dem Autor des Buches „Gute Leute“, in dem es um Kollaborateure der Nazis und des Sowjetregimes geht.

Bei der Vorstellung seines Buches konstatiert der Autor: „Bei jedem Genozid ist es doch das gleiche: Eine kleine Gruppe Menschen taucht ihre Hände in Blut. Aber die große Mehrheit lebt ihr Leben, kollaboriert, kümmert sich nicht. Es sind diese Leute, die den Genozid erst ermöglichen. Ich will sie verstehen.“

Als ob das die perfekte Überleitung zur israelischen Gesellschaft wäre, fragt Herr Schneider: „Lass uns mal das Buch für einen Moment zur Seite legen und den Zweiten Weltkrieg. Wie sieht es mit Mitläufern in Israel aus?“ Nir Baram möchte darauf nicht so ganz eingehen, obwohl Schneider beteuert, nicht die politischen Systeme vergleichen zu wollen. Stattdessen spricht Baram über die soziale Situation in Israel. Schneider fragt also konkreter nach: „Lass mich mal provokant fragen: Wir machen hier das Interview am 31. August. Wir wissen nicht, was die nächsten Tage bringen werden, bis dieses Blog erscheint. Wir haben seit Wochen eine intensivste Debatte über den möglichen Krieg mit dem Iran. Ich sehe einfach nicht 300.000 oder eine halbe Million Menschen auf den Straßen dagegen demonstrieren. Ist das also stilles Mitläufertum?“ Die Vernichtungsambitionen des Iran gegenüber Israel scheinen dem Israelkorrespondenten der ARD komplett entgangen zu sein. Man muss wahrlich kein Kriegstreiber noch ein Mitläufer eines solchen sein, um sich nicht mit Pfeifen und Trompeten gegen einen Präventivschlag Israels zu stellen, der hoffentlich irgendwie vermeidbar sein wird.

Baram redet indes beharrlich weiter über sein Buch und beginnt, die Quellen seines Romans aus dem Bücherregal zu holen. Schneider geht darauf nicht ein, sondern fragt noch einmal: „Lass mich abschließend fragen: Falls Israel den Iran angreift, falls wir hier in den nächsten Wochen Krieg haben werden – wie jeder hier im Augenblick fürchtet und es gibt ja die Möglichkeit, dass dies geschehen könnte –, was dann? Der Krieg wäre vorbei. Es wird für Israel absolut katastrophal sein, katastrophal auch für die Wirtschaft, katastrophal für den Iran – würdest du dann sagen, die israelische Gesellschaft ist mitgelaufen, oder würdest du sagen, es gab keine Wahl?“ Nach nochmaligem, direktem Nachhaken, ob die Nazikollaborateure im Roman nicht doch die Probleme Israels widerspiegeln würden, wird Baram deutlicher: „Nein, nein, ich möchte nicht, dass aus unserem Gespräch die Schlussfolgerung gezogen wird, dass ich mich oder andere Leute mit den Nazis vergleiche. Das würde dieses Gespräch auf den Kopf stellen, würde daraus eine primitive, undifferenzierte Diskussion machen. Den Zweiten Weltkrieg zu vergleichen – ich vergleiche nicht. Wir in Israel sind nicht in der Situation wie Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Es gibt keine Konzentrationslager hier.“

Am Ende wird der Bogen aber doch noch geschlagen. Nir Baram sagt: „Wir leben in einer extrem rassistischen Gesellschaft. Und das, weil wir nicht die wichtige Lektion des Zweiten Weltkrieges gelernt haben.“ „Also wenn ich Netanyahu sehe, wie er den Holocaust missbraucht, dann entwickle ich tiefe Abneigung gegen das, was Netanyahu macht. Er will nämlich nichts tun, nichts ändern. Er hat nämlich keine Vision für die Zukunft Israels.“

Die Vergleiche und Unterstellungen in diesem Beitrag sind jenseits von Gut und Böse, genauso wie Schneiders suggestive Gesprächsführung. Ein junger, gesellschaftskritischer israelischer Autor, der sich des schwierigen Themas der Kollaboration des „kleinen Mannes“ im Nationalsozialismus angenommen hat, und der Umgang der israelischen Bevölkerung mit einem drohenden Erstschlag gegen die iranischen Atomanlagen – beides interessante Themen. Aber die israelischen Nicht-Demonstranten als Kollaborateure hinzustellen und das sogar mit dem Zweiten Weltkrieg in Verbindung bringen zu wollen – das geht eindeutig zu weit und verkennt die Zwangslage, der Israels Regierung gegenübersteht.