Islamischer Antisemitismus – Kommentar zum Begriff

Ich bin (noch) kein Spezialist für islamischen Antisemitismus. Der „Antisemitismus in der arabischen Welt“, mit dem ich mich in meinen Studien eingehend beschäftigt habe, kann nicht so einfach als islamisch bezeichnet werden. Er speist sich aus Quellen des westlichen/europäischen/deutschen, aber auch russischen Antisemitismus des frühen 20. Jahrhunderts. Im Nachhinein ist er von beachtlichen Teilen der islamischen Theologie adaptiert worden. Aber auch vorher hat es islamischen Antisemitismus gegeben. Während die einen noch darüber streiten, wie ausgeprägt diese Feindschaft den Juden gegenüber im Islam gewesen ist, scheint eine führende Schicht von Wissenschaftlern sich darauf zu verständigen, dass es islamischen Antisemitismus überhaupt nicht gibt, dass er zumindest nicht statistisch nachgewiesen sei, und dass derartige Behauptungen „islamophob“ seien. Hier mein Statement dazu:

Ich kann aus dem Bauch heraus einen einstündigen Vortrag über christlichen Antisemitismus halten. Ich würde über Ritualmordlegenden, Vorwürfe von Brunnenvergiftung und Hostienschändung reden, ich würde so manche Päpste ebenso wie Martin Luther zitieren, und ich würde die heutigen antiisraelischen Eskapaden der Kirchen und Freikirchen, gleich welcher Denomination, beleuchten, von Pax Christi auf der Mavi Marmara über den ÖRK und das Kairos-Palästina-Dokument bis hin zum Ausschluss messianischer Juden vom Kirchentag. Das ist mein Job. Diese Tatsachen tun meinem eigenen Christsein keinen Abbruch, vielmehr fühle ich mich herausgefordert und umso mehr in der Verantwortung, diese Dinge beim Namen zu nennen. Christlicher Antisemitismus – das ist der Antisemitismus (nach gängiger Definition müsste man es „Antijudaismus“ nennen. Ich werde an anderer Stelle erklären, warum ich das nicht mache), der in Geschichte und Gegenwart mit christlichen Quellen von einflussreichen christlichen Theologen im Namen des Gottes der Bibel propagiert wurde und wird.

Islamischer Antisemitismus ist der Antisemitismus, der in Geschichte und Gegenwart mit islamischen Quellen von einflussreichen islamischen Theologen im Namen Allahs propagiert wurde und wird. Die Quellen bieten hierzu reichlich Material und die Theologen machten zu allen Zeiten Gebrauch davon, heute mehr denn je. Darüber zu sprechen sollte nicht nur erlaubt, sondern geradezu geboten sein.

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