Freiheitskämpfer im Balata-Camp

Mitte Mai 2010, parallel zu den Feierlichkeiten zur Staatsgründung Israels, besuchte Richard C. Schneider das Balata Flüchlingscamp. Er zeigte die Bilder einiger „Märtyrer“ und erklärte den Zuschauern: „Das sind sogenannte Shahid, Märtyrer. Das sind junge Leute, die während der Intifadas im Kampf gegen Israel gefallen sind. Teilweise Leute, die zu den al-Aqsa-Märtyrer Brigaden gehörten, teilweise zum Islamischen Djhad oder zur Hamas. Und hier wird dieser getöteten jungen Palästinenser mit solchen Bildern gedacht.“ Googelt man die abgebildeten, angeblichen Intifada-Kämpfer auf Arabisch, stellt sich heraus, dass diejenigen, über die sich etwas herausfinden lässt,  am 30.9.2005 gestorben sind. Die zweite Intifada gilt seit Februar 2005 als abgeschlossen. Am 12.09.2005 hatten die letzten israelischen Soldaten Gaza verlassen. Welchen Grund sollen diese Männer gehabt haben, gerade in dieser Zeit im Westjordanland eine abgeschlossene Intifada fortzuführen? Herr Schneider stellt diese Fragen nicht. Der, auf dessen Plakat auch Arafat abgebildet ist, heißt Jamal Ibrahim al-Jarami, war 20 Jahre alt und starb in Nablus (oder kam daher?), als Todesursache bzw. Art der Verletzungen steht da „ganzer Körper“. Der andere heißt ‚Ala` Yusuf al-Tirawi, ebenfalls 30.9.2005, Nablus, „Brust und Bauch“… (die Infos sind von www.aqsaa.com, einer arabischen Seite).

Die Architektur in dem „Camp“ (natürlich Massivbauten und keine Zelte) wird als besonders unzumutbar dargestellt, enge Gassen, ganz kleine Fenster, und das bei der Hitze! Außerdem gäbe es für 25.000 Leute in dem Camp nur einen Wasserhahn (für den sich aber zur Zeit des Drehs niemand zu interessieren scheint). Wer schon einmal in einer beliebigen arabischen Stadt war, weiß: In sozial vergleichbaren Vierteln überall in der arabischen Welt sieht es genauso aus. Und selbst betuchte Familien bauen klassisch nach außen hoch und dabei oft sogar gänzlich ohne Fenster, eben einbruchsicher. Die Frau sonnt sich im Innenhof, denn draußen darf sie das ja nicht. Im Balata „Camp“ wird das trotz aller tatsächlicher Armut nicht anders sein. Und dass sie dort die europäischen DIN-Normen für Verkabelungen und Hygienestandarts nicht erfüllen, ist auch nicht den armen Unterdrückten vorbehalten. Wo außer in den jeweiligen Regierungsvierteln ist das denn anders?

Ich habe das Video bei der Suche nicht mehr gefunden. Auch da, wo die Videoblogs „Zwischen Mittelmeer und Jordan“ gesammelt sind, findet man es nicht. Oder war das außerhalb des Blogs? Wenn es jemand findet, kann er mir Bescheid sagen, damit ich es verlinken kann.

Apropos: Das Land zwischen Mittelmeer und Jordan: Wenn man wollte, könnte man es auch „Israel“ nennen.

Advertisements

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: